Nog over economie en maatschappij

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In het laatste puntje van mijn post van gisteren probeerde ik mijn perplexiteit te verwoorden over een lezersreactie op het recente artikel van Niels De Rudder in Knack. Een andere manier om te pogen deze reactie in een kader te plaatsen waarin hij als zinvol verschijnt, is hem naast een aantal andere uitspraken over hetzelfde thema te leggen. Het is een experiment, maar ik wil het proberen.

Het thema heeft iets te maken met een heimwee naar een vroeger tijdstip, toen de mensen nog een fierder karakter hadden, en het heeft ook iets te maken met trots. Ik wil zonder verdere commentaar twee citaten geven die ongeveer hetzelfde thema op het oog hebben.

Eerste citaat, Pim Fortuyn tijdens zijn inauguratiespeech bij Leefbaar Nederland:

Weg met het subsidiesocialisme. Het heeft ertoe geleid dat miljoenen mensen aan de kant staan en niet meer weten hoe plezierig het is om iets te ondernemen. Weg bij dat loket, want daar krijg je wel je geld, maar moet je ook je ziel inleveren

Tweede en langere citaat, Rudolf Steiner die een voordracht van Johannes Volkelt over Immanuel Kant bespreekt.*

[…] Wir wollen von einer Tatsache ausgehen, die vielen, die in den siebziger Jahren in Wien studiert haben, noch in lebhafter Erinnerung sein wird. Am 10. März 1875 hielt im “Leseverein der deutschen Studenten Wiens” Johannes Volkelt, ein damals 27-jähriger Gelehrter, einen Vortrag, der geradezu als der bedeutsamste Beitrag zur Kulturgeschichte der Gegenwart angesehen werden muss. […]

Volkelt mißt in diesem Vortrage unsere Zeit an dem hohen, tief aus dem Wesen des deutschen Volkes geholten Sittlichkeitsbegriff Kants. Kant macht die Sittlichkeit einer Handlung einzig und allein von der Gesinnung abhängig, aus der sie hervorgegangen ist. Eine Handlung, die allen bestehenden Gesetzen entspricht, die der Mit- und Nachwelt von unabsehbarem Nutzen ist, ist doch nicht sittlich, wenn sie nicht aus der guten Gesinnung ihres Urhebers fließt. Wenn zwei dasselbe tun, der eine aus Egoismus, der andere aus Pflicht, so handelt der erste unsittlich, der zweite sittlich. Volkelt fragt nun: Wie stellt sich unsere Zeit zu diesen Anschauungen des Königsberger Weisen. Er kommt zu einer traurigen Antwort. Es scheint die Ansicht fast allgemein geworden zu sein: mit der moralischen Gesinnung kommt man nicht weiter, man baut mit ihr keine Eisenbahnen, man gründet mit ihr keine industriellen Unternehmungen. Man glaubt, der Moral genug getan zu haben, wenn man mit dem Strafgesetz in keinen Konflikt gerät. Im Herzen gut sein, das hält man für ein Vorurteil, das man den Kindern in der Schule wohl vormachen muss, womit sich aber im Leben nichts anfangen lässt. Es gibt heute Kreise, die Lebensformen angenommen haben, die in ihrer Wurzel unsittlich sind. “Mir scheint”, sagt Volkelt, “dass kaum ein Ausdruck das sittliche Leben unserer Zeit so treffend charakterisiert als das Wort ‘bequem‘. Kühle Laxheit, vornehme Bequemlichkeit gehört zum guten Tone.”

Es gab eine Zeit, wo der Mensch das Geringste, das er zu seinem Unterhalte brauchte, der Natur abringen musste. Harte Arbeit, einen Kampf im wahrsten Sinne des Wortes musste er führen, um sein Dasein zu fristen. Heute ist das anders geworden. Das Bezwingen der Natur ist uns leicht. Wir haben Maschinen und Werkzeuge, die das verrichten, was unsere Vorfahren mit eigener Hand tun mussten. Wir erkennen natürlich wie jeder vernünftige Mensch darinnen einen Fortschritt. Wir verkennen aber auch nicht, dass gerade dieser Fortschritt Hand in Hand geht mit einem Verfall der Charaktere, Tüchtigkeit der Gesittung. Die Mühe und Arbeit, die ehedem der Mensch verrichten musste, um der Natur seinen Lebensunterhalt abzuringen, waren für ihn eine hohe Schule der Sittlichkeit. Heute brauchen wir nur die Hand zu rühren, und der ganze gesellschaftliche Apparat funktioniert, unsere Bedürfnisse zu befriedigen. Das hat zur Folge, dass sich die letzteren bis zur Übertriebenheit steigern, dass der Mensch die Lust verliert, den geraden und harten Weg der Pflicht zu gehen, und dafür lieber den leichten der Bequemlichkeit wandelt. Daraus geht eine Lähmung der persönlichen Charakterfestigkeit, der Arbeitstüchtigkeit hervor.

Ein großer Teil unserer Gesellschaft leidet an Marklosigkeit und Knochenerweichung in geistiger Beziehung.

“Wir leben in einer Zeit allgemeiner Auspolsterung”, sagt Volkelt treffend, und fügt hinzu: “Wie sehr ich recht habe, erfahren Sie, wenn Sie sich in Ihrem ‘comfortabel’ eingerichteten Zimmer umsehen, wenn Sie einen Gang durch die Straßen tun, wenn Sie eine Reise unternehmen. Selbst die fernsten Gebirgstäler sind vor Eisenbahnen und dem modernen Hotelwesen nicht mehr sicher. Sie erfahren es, so oft Sie sich in einem Wirtshaus von den glatt gekämmten Kellnern, diesen poesielosen Maschinen, bedienen lassen; so oft Sie auf spiegelblankem Salonboden in Frack und Handschuhen sich zu bewegen haben. Sie erfahren es bei jedem Rechtshandel, in den Sie etwa geraten, bei dem einfachsten Geschäfte, das Sie abwickeln sollen. Selbst der Krieg trägt heutzutage den unpersönlichen, prompten Maschinencharakter.” Das ist eben die Zeit, in der es wenige gibt, die ein ideales Ziel im Auge haben und, ohne Seitenblicke nach rechts oder links, rücksichtslos auf dasselbe zusteuern; nein, wo nur jeder sich dem blinden Treiben der Welt überlässt und, mit Glück und Leben ein frivoles Spiel treibend, sich aus der gesellschaftlichen Maschine so viel herauszuschlagen bemüht ist, als eben geht. Überall wird das Bequeme jenem vorgezogen, zu dem ein Einsetzen der ganzen Persönlichkeit gehört. Wer liest heute ein systematisches Buch, das Denkerfleiß in jahrelanger Arbeit zustande gebracht. Nein, man liebt es, aus ‘elegant’ geschriebenen Feuilletons oder aus ‘populären’, das ist seichten Vorträgen Notiz von den zeitbewegenden Fragen zu nehmen. Jenes ist eben mühsam und erfordert strammes Denken, dieses ist bequem. Im Theater wird das leichteste, gemeinste, ja blödsinnigste Zeug dem Publikum geboten. Es nippt mit Behagen daran, denn der Genuss eines Höheren erfordert auch geistige Anstrengung. Das politische Parteileben liefert überall nur Halbheit, Opportunität zutage. Fast niemand findet sich, der ein aufrichtiges, rücksichtsloses “Das will ich!” vernehmen lässt.

Die Festigkeit des Charakters ist in dem taumelhaften Genussleben untergegangen. Allen denen nun, die von dem bösen Geist unserer Zeit angefressen sind, empfiehlt Volkelt das Lesen der Kantschen Schriften. Denn sie sind eine Schule für den Charakterschwachen. […]

 

* Steiner, Rudolf, ‘Johannes Volkelt. Ein Deutscher Denker der Gegenwart’. In: Steiner, Rudolf, Methodische Grundlagen der Anthroposophie, 1884-1901. Gesammelte Aufsätze zur Philosophie, Naturwissenschaft, Ästhetik und Seelenkunde. Dornach, Verlag der Rudolf Steiner-Nachlassverwaltung (GA 30), 1961, pp 246-252.

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